Ye hudi, desto menuhin. Andreas Vollstädt legt Max Leerdörfs „Eggenfeldener Reimwerk“ vor

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Rezension von Lutz Hagestedt


Ye hudi, desto menuhin

Andreas Vollstädt legt Max Leerdörfs „Eggenfeldener Reimwerk“ vor

MAX LEERDÖRF: Das Eggenfeldener Reimwerk. Friedl-Brehm-Verlag, München 1986. 111 Seiten.

Obwohl Max Leerdörf völlig unbekannt ist, kann aus seinen „Stimmungsgedichten“, „Mumpitzminiaturen“, „Schauerballaden“ und „Brechstangengedichten“ doch auf eine bajuwarische Herkunft geschlossen werden. Er ist ein krachlederner Schwadroneur, der uns – getreu der Devise „Reim dich oder ich freß’ dich“ – so manch dicken Hund zu schlucken gibt: „Der Förster / wurde örster / und die Bräute / zwäute.“

Die Bierseligkeit des Englischen Gartens, wo man ein Maßliebchen ums andere in sich hineinlitern kann, hat er jedenfalls genau studiert und fein ironisch persifliert. Seine Vorbilder sind die Väter der Nonsens-Poesie: Ringelnatz und Morgenstern, Kästner und Tucholsky, unter den neueren H. C Artmann, Peter Rühmkorf, Herbert Rosendorfer und Robert Gernhardt.

Das „Eggenfeldener Reimwerk“ versammelt enorm wendige, zum Teil mundartliche Reimereien, die jedoch auch für Nichtbayern und „Zug’roaste“ leicht verständlich sind. Die Wortspielereien sind mitunter „exurbietorbitant“ und genügen der Forderung Morgensterns nach „Helligkeit und Schnelligkeit“ in der Nonsenspoesie vollauf: „In guten Geigen steht es drin: Ye hudi, desto menuhin.“ Aus dem Nachwort erfahren wir, daß Max Leerdörf das Dichten bereits wieder aufgegeben habe. Und mitgeteilt wird uns das vom Herausgeber, der Andreas Vollstädt heißt. Spätestens hier hören wir die Nachtigall trapsen, und es würde uns nicht wundern, wenn sie morgen als Lerche wieder einen neuen Lyrikband vorlegen würde.

© LUTZ HAGESTEDT


erschienen in: Süddeutsche Zeitung Nr. 243 vom 22.10.1986. Seite 13.
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