Walter Kempowski als Erzähler und Chronist - Seminar
aus Netzwerk-Literaturkritik, der freien Wissensdatenbank
Lutz Hagestedt
Walter Kempowski als Erzähler und Chronist
Zeit und Raum werden bekannt noch gegeben
Aufbaukurs (hist.), 2 SWS, wahlobligatorisch
• alle Studiengänge, Module C, J
• Abschluss mit Teilnahme- oder Leistungsschein, Modulprüfung wählbar
Der gebürtige Rostocker Walter Kempowski (1929-2007) hat ein eindrucksvolles und vielgestaltiges Werk hinterlassen, das formal ambitioniert erzählt ist und Fremdtexte zu bedeutenden Geschichtsbildern collagiert. Schon in seinem ersten Buch, dem Gefängnistagebuch "Im Block" (1969), arrangiert Kempowski eine Anzahl "Fotobilder", und zwar "fast so, wie Arno Schmidt es in seinen Berechnungen vorgeschlagen hat", dabei "jeweils einen Zustand oder Vorgang isolierend" und durch "unablässig Faktisches" die subjektive "Erlebnis- und Leidkomponente" zurückdrängend (Heinrich Vormweg).
Mit "Tadellöser & Wolff" (1971) als Auftakt der neunbändigen "Deutschen Chronik" gerät uns ein Autor in den Blick, der - unter anderem auch aufgrund Fechners Verfilmungen (1975, 1979) - sehr breit rezipiert worden ist und mittlerweile zu den Klassikern moderner Erzählkunst gerechnet wird.
Aktive Mitarbeit und regelmäßige Teilnahme, sprich Hausaufgaben von Woche zu Woche sowie (vereinzelte) Impulsreferate, werden durch Teilnahmescheine quittiert; Leistungsscheine können durch schriftliche Hausarbeiten (ab 15 Seiten Umfang) erworben werden.
Die Anmeldung erfolgt über Stud.IP, Anmeldezeitraum: Di, 15.07.08 ab 9.00 Uhr, die endgültige Aufnahme durch einen Lektüretest zu Gefängnistagebuch "Im Block".
Literatur und Hilfsmittel:
- Walter Kempowski: Im Block. Ein Haftbericht. München: Knaus 2004.
- Tadellöser & Wolff. Roman [EA 1971]. Versch. Ausg., etwa Augsburg: Weltbild 2004 (Bild Bestseller-Bibliothek 11).
- Dirk Hempel: Walter Kempowski. Eine bürgerliche Biographie. München: Random House 2004 (btb 73208).
- Jurij M. Lotman: Die Struktur literarischer Texte. Übers. von Rolf-Dietrich Keil. München: Fink 1972, 4. Aufl. 1993 (= UTB 103) - Daraus: semiotische Voraussetzungen: S. 19-23, 35-42; Kapitel 8 ("Die Komposition des Wortkunstwerks"): S. 300-370 (wird zu Seminarbeginn vorausgesetzt), 374 f., 377, 393-395.
- Michael Titzmann: Semiotische Aspekte der Literaturwissenschaft: Literatursemiotik. In: Roland Posner, Klaus Robering, Thomas A. Sebeok (Hgg.): Semiotik. Ein Handbuch zu den zeichentheoretischen Grundlagen von Natur und Kultur. Dritter Teilband. Berlin, New York: de Gruyter 2003 (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, hg von Herbert E. Wiegand; Bd. 13.3), S. 3028-3103. Daraus: Punkt 5.2, S. 3075-3084.
- Karl N. Renner: Grenze und Ereignis. Weiterführende Überlegungen zum Ereigniskonzept von J. M. Lotman. In: Gustav Frank, Wolfgang Lukas (Hgg.): Norm - Grenze - Abweichung. Kultursemiotische Studien zu Literatur, Medien und Wirtschaft. Michael Titzmann zum 60. Geburtstag, Passau: Stutz 2004, S. 357-381.
- Klaus Kanzog: Grundkurs Filmsemiotik: München: Diskurs-Film-Verlag Schaudig & Ledig, 2007. (Diskurs Film 10).
- Klaus Kanzog: Einführung in die Filmphilologie. Mit Beiträgen von Kirsten Burghardt. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. München: Diskurs Film 1997. (Diskurs Film 4).
- Rüdiger Steinmetz: Filme sehen lernen. Grundlagen der Filmästhetik. Mit Originalsequenzen von Lumière bis Kubrick und Tykwer. Frankfurt/M.: Zweitausendeins o. J. (DVD im Institut vorh.)
