Literaturwissenschaft in der DDR. Forscher- und Forschungsprofile und Institutionen - Aufbaukurs

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Literaturwissenschaft in der DDR. Forscher- und Forschungsprofile und Institutionen - Lutz Hagestedt

Do, 15.15–16.45 Uhr, HS Hautklinik

Aufbaukurs (hist./syst.), 2 SWS, wahlobligatorisch

  • alle Studiengänge; D, K
  • Abschluss mit Teilnahme- oder Leistungsschein, Modulprüfung wählbar


Die DDR-Germanistik war in den ersten Nachkriegsjahren noch stark »bürgerlich« geprägt, doch gerieten Lehrstühle, die einer älteren Fachorientierung verhaftet blieben, rasch unter Druck. Noch in den 50er-Jahren vollzog sich der entscheidende Paradigmenwechsel von einer »positivistisch« geprägten, »hermeneutischen« Literaturwissenschaft zu einer marxistisch-sozialistisch profilierten Literaturideologie, die nicht nur andere Aspekte und Fragestellungen, Methoden und Modelle präferierte, sondern auch das »literarische Erbe« neu sichtete und neu gewichtete. An die Seite der »reinterpretierten« Klassiker traten der soziale Roman, die Literatur der Befreiungskriege, der Vormärz und andere »revolutionäre« Strömungen der »Literatur der Arbeiterklasse«.

Das Forschungsseminar zur DDR-Germanistik nimmt Hochschullehrer in den Blick, die – wie Dieter Schlenstedt – in der DDR Karriere machten, die – wie Hildegard Emmel – aus ihr vertrieben wurden oder die – wie Hans Mayer – aus freien Stücken in den Westen gingen, untersucht Institutionen der Literaturwissenschaft (Akademien, Universitäten, Fachhochschulen), fragt nach weltanschaulichen und heuristischen Basisannahmen der Forschung und würdigt herausragende Forschungsleistungen. Deren Resonanz war auch im Westen nicht unerheblich oder machte sogar Schule.

Ganze Buchreihen wie die Scriptor Taschenbücher Literaturwissenschaft (Verlagsort: Kronberg/Ts.) trugen der veränderten Ausrichtung der Philologien Rechnung. Westdeutsche Gelehrte wie Hans-Wolf Jäger, Gert Mattenklott, Klaus R. Scherpe versuchten in ihrer Wissenschaftspraxis, der Funktion der Literatur für den »Fortschritt der sozialistischen Gesellschaftssysteme« auf die Spur zu kommen und die »immer deutlicher ins Bewußtsein tretenden Widersprüche der spätkapitalistischen Gesellschaft« mithilfe einer neu konturierten Literaturwissenschaft zu benennen.

Dies alles ist Geschichte und muss von uns Heutigen mühsam rekonstruiert werden, will man herausfinden, wie gesellschaftliche Systeme auch die »unabhängige(n) Wissenschaft(en)« in die Pflicht nehmen und deren Forschungsleistungen perspektivieren.

Aktive Mitarbeit und regelmäßige Teilnahme, sprich Hausaufgaben von Woche zu Woche sowie (vereinzelt) Impulsreferate, werden durch Teilnahmescheine quittiert; Leistungsscheine können durch schriftliche Hausarbeiten (ab 15 Seiten Umfang) erworben werden.

Die Anmeldung erfolgt ausschließlich in der ersten Seminarsitzung, die endgültige Aufnahme durch einen Lektüretest zum Reader in der zweiten Sitzung.

Literatur: Klaus Städtke, Wolfgang Emmerich: DDR-Literatur und Literaturwissenschaft in der DDR. Zwei kritische Bilanzen. Bremen 1992 (als PDF-Datei unter http://www.deutschlandstudien.uni-bremen.de/hefte/heft2.pdf).



Material / Hausaufgaben:



Hausaufgabe zum 25.10.2007:

1. Arbeiten Sie das einführende Dokument zur DDR-Germanistik durch (siehe oben) sowie die beiden folgenden Texte aus dem Reader (Copyshop / Brunnenhof):

- Petra Boden: Universitätsgermanistik in der SBZ/DDR. Personalpolitik und struktureller Wandel.

- Rainer Rosenberg: Zur Begründung der marxistischen Literaturwissenschaft in der DDR.

(Quelle: ders./dies. (Hgg.): Deutsche Literaturwissenschaft 1945-1965. Berlin 1997. S. 119-149 und S. 203-240)


2. Schreiben Sie sich bei André Kischel (andre.kischel@web.de (mailto:andre.kischel@web.de)) in eine der drei Arbeitsgruppen ein: 1. Ära Ulbricht I (1949-1961), 2. Ära Ulbricht II (1961-1971) oder 3. Ära Honecker (1971-1989). Vgl. auch Seite 1 des einführenden Dokuments zur DDR-Germanistik (siehe oben)


Hausaufgabe zum 08.11.2007:

Lesen Sie das zweite Kapitel von Hildegard Emmels Autobiographie "Die Freiheit hat noch nicht begonnen" (scil das Kapitel "Erfahrungen, die ich nicht missen möchte: Zehn Jahre in der DDR", S. 93-147) sowie die Einleitung zu ihrem Goethe-Buch "Weltklage und Bild der Welt in der Dichtung Goethes" (Weimar 1957) und beantworten Sie auf einer halben Seite die Frage, was an Hildegard Emmels Person und Literaturbegriff eigentlich "bürgerlich" ist bzw. genannt werden kann. Kopien im Copyshop im Brunnenhof.


Hausaufgabe zum 22.11.2007:

Skizzieren Sie auf einer Din-A-4 Seite Rosenbergs Argumentationsführung "Zur Begründung der marxistischen Literaturwissenschaft der DDR".


Hausaufgabe zum 13.12.2007:

Studieren Sie den Aufsatz von Gerhard Scholz "Gesellschaft und Kultur der Goethezeit" (siehe oben; das erforderliche Passwort haben Sie von Prof. Hagestedt erfahren bzw. per E-Mail erhalten) und schlagen Sie alle Begriffe nach, die Sie nicht kennen. Beantworten Sie schriftlich die Frage, durch welche Merkmale das Theoriedesign von Scholz der nicht-bürgerlichen Literaturwissenschaft der DDR zuzuordnen ist.


Hausaufgabe zum 20.12.2007:

Studieren Sie den Prolog in Petra Boden/Dorothea Böck (Hg.): Modernisierung ohne Moderne. Literaturforschung an der Berliner Akademie der Wissenschaften. Heidelberg: Winter 2004. S. 13-50. Eine Kopiervorlage liegt im Copyshop für Sie bereit; der Band steht auch im Semesterapparat. Charakterisieren Sie stichpunktartig die Struktur und Funktion der Berliner Akademie.


Hausaufgabe zum 03.01.2008:

Erarbeiten Sie sich Hans Kaufmanns Einleitung zu Band 1 seiner Auswahl "Positionen der DDR-Literaturwissenschaft" (Kronberg/Ts.: Scriptor 1974; im Copyshop und auch als .pdf-Dokument auf der bekannten Seite verfügbar). Zeichnen Sie stichwortartig die dort beschriebenen Leitlinien der Zeitschrift zwischen 1955 und 1970 nach.


Hausaufgabe zum 10.01.2008:

Erarbeiten Sie sich Hans Kaufmanns Einleitung zu Band 2 seiner Auswahl "Positionen der DDR-Literaturwissenschaft" (Kronberg/Ts.: Scriptor 1974; im Copyshop und auch als .pdf-Dokument auf der bekannten Seite verfügbar). Zeichnen Sie stichwortartig die dort beschriebenen Leitlinien der Zeitschrift zwischen 1971 und 1973 nach.



Liebe Seminarteilnehmer, aus gegebenem Anlass sei nochmals auf die Hinweise für die erfolgreiche Teilnahme an den Kursen bei Herrn Prof. Dr. Lutz Hagestedt aufmerksam gemacht.


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