Frühes von Burroughs - William S. Burroughs: Homo & Briefe an Allen Ginsberg 1953-1957

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Rezension von Lutz Hagestedt


Frühes von Burroughs

WILLIAM S. BURROUGHS: Homo & Briefe an Allen Ginsberg 1953-1957. Mit einem Vorwort und einem Epilog des Verfassers. Herausgegeben und übersetzt von Carl Weissner. Zweitausendeins Versand, Frankfurt/M. 1989. 343 Seiten.

In seinen „Yage-Letters“ an Allen Ginsberg schildert W. S. Burroughs seinen Kampf mit Drogen und Alkohol und „seine Unfähigkeit, sich hinzusetzen und einen Roman zu schreiben“. Sein biographischer Hintergrund in den fünfziger Jahren ähnelt sehr der gelebten Wirklichkeit seiner Figuren, wie er sie in „Junkie“ (1953) oder im erst spät herausgegebenen Romanfragment „Homo“ (1985) dargestellt hatte.

„Homo“ erzählt von einem etwa 30- bis 35jährigen Amerikaner namens Lee, der sich nach Mexiko City abgesetzt hat. Drogen haben seinen Organismus geschwächt, Entzugserscheinungen (eine unheilvolle Kombination aus Drogen- und Liebesentzug) dominieren seine trostlose Realität. Auf der sozialen Skala rangiert Lee schon weit unten, es fehlt nicht viel, und er muß um Rauschgifte und Liebe betteln. Die Abfuhren, die ihm auf der Suche nach einer festen Beziehung erteilt werden, die Kränkungen, die er von seinem “Freund“ Allerton hinnehmen muß, verweisen Lee „in die Position eines unerträglich aufdringlichen Schwulen“.

Endlich entschließt er sich, mit Allerton nach Südamerika zu gehen, einmal, um Allerton stärker an sich zu binden, zum anderen, um Yage (eine halluzinogene Droge der Indianer) zu beschaffen. Beide Vorhaben sind zum Scheitern verurteilt, Lee reist allein nach Mexico City zurück, stärker isoliert als zuvor.

„Homo“ ist ein eher konventionell erzähltes, sehr gut lesbares Buch, ohne dabei „traditionell“ zu wirken. Auf die Schreckensbilder der „Soft Machine“ (1961), den blutigen Sex von „Naked Lunch“ (1959), „Nova Express“ (1964) und „The Wild Boys“ (1971) wird hier noch weitestgehend verzichtet. Burroughs‘ Roman, Anfang der fünfziger Jahre begonnen, ist Fragment geblieben, was man ihm jedoch kaum anmerkt: Er könnte so enden, also mit dem Auslaufen einer einseitigen Beziehung, und es wäre ein gutes Ende.

© LUTZ HAGESTEDT


erschienen in: Süddeutsche Zeitung Nr. 31 vom 7. Februar 1990.
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