Formationsphase der deutschen Literaturkritik

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Die Formationsphase der deutschsprachigen Literaturkritik


von Ralf Georg Bogner


Inhaltsverzeichnis

Zur Vorgeschichte der volkssprachlichen Literaturkritik


Die Kritik an Texten hat in der abendländischen Kultur eine annähernd ebenso lange Tradition wie die literarische Kommunikation selbst. Ihr kann bereits die skeptische Hinterfragung der großen Erzählungen des Mythos durch eine programmatisch vom Logos geleitete, ostentativ rationalistische und wissenschaftliche Philosophie zugerechnet werden. Aber auch auf dem Gebiet von Literatur und Poesie im engeren Sinne lassen sich schon in der Antike Vorformen einer Kritik nach heutigem Verständnis ausmachen. Hierzu zählen einerseits autoreflexive und gattungstheoretische Passagen in Texten der klassischen griechischen und römischen Dichtung, in denen positiv oder negativ, auf jeden Fall jedoch urteilend auf kanonisierte Werke und Autoren Bezug genommen wird (zum Beispiel Aristophanes in „Die Vögel” über Euripides). Auf der anderen Seite kennt bereits die hellenistische Zeit die literaturkritische Reflexion in Meta-Texten zur poetischen Überlieferung, zum Beispiel die frühesten Erklärungen der Epen Homers mit ihren Diskussionen und Urteilen über den Vorrang derselben gegenüber den Werken Hesiods.

In der Spätantike und im Mittelalter falten sich diverse Spielarten der Kritik an Texten aus. Sie avanciert zu einem Instrumentarium der philologischen Sicherung, der sprachlichen und sachlichen Kommentierung und Auslegung des überlieferten Kanons und des Wissens über dessen Autoren. Dabei erhält die Kritik einen fest institutionalisierten Ort innerhalb der Bildungsinstitution der Grammatik. Sie umfaßt neben der philologischen Arbeit an den kanonisierten Texten gleichzeitig die kritische Regulierung der produktiven Nachahmung der ‘klassischen’ Autoren und der prototypischen Werke.

Durch die Humanisten wird die kritische Beschäftigung mit der literarischen Tradition intensiviert und ausdifferenziert. Die Arbeit am Kanon wird nun auch in öffentlichen Literaturkursen sowie in Briefen, in Traktaten und in programmatischen Werkvorreden gepflegt. Besondere Bedeutung für die spätere Emanzipation einer säkularen Auseinandersetzung mit der aktuellen Buchproduktion gewinnt dabei die humanistische Bibelkritik, die für sich ein eigenes Recht und eine nicht substituierbare Kompetenz bei der Herstellung des korrekten Textes und der Bestimmung seiner richtigen Bedeutung beansprucht. Zwar deutet sich in dieser kulturellen Praxis die spätere, als autonom verstandene Kritikerrolle bereits an, doch ist ein Konzept von Literaturkritik als öffentliches Räsonnement über aktuelle poetische Publikationen in der Volkssprache darin noch nicht einmal in Ansätzen enthalten. (Vgl. Jaumann 1995; Jaumann 2000).


Literaturkritik im Spätbarock als Arbeit am Kanon der Nationalliteratur


Die kritische Arbeit an einem Kanon der deutschsprachigen Literatur ist für die Autoren des 17. Jahrhunderts erst von dem Zeitpunkt an möglich, da sich ein Reservoir an autoritativen, anerkannten Texten in der Volkssprache zu formieren beginnt. Auf der einen Seite drängt man auf die Etablierung eines deutschen Parnasses, andererseits muß der Kanon ja überhaupt erst geschrieben werden, da die vor der opitzschen Reform verfaßten Texte unter das Verdikt fallen, aufgrund ihrer poetischen Defizite nicht mit den Leistungen der antik-klassischen und der übrigen europäischen Nationalliteraturen konkurrieren zu können.

Dokumente für dieses Ringen um die Sicherung eines Kanons der deutschsprachigen Literatur, das sich vor allem im überschwenglichen Autoren- und Werk-Lob artikuliert, finden sich vor allem in zwei Quellengattungen. Erstens setzen sich die Sprachkritiker, Linguisten und Lexikographen des Barock, primär im Umfeld der Sprachgesellschaften, zum Beispiel Justus Georg Schottelius oder Kaspar Stieler, in ihren Arbeiten immer wieder mit dem Höhenkamm der deutschsprachigen Literatur auseinander. Häufig erscheint dabei ein Kanon, der sich als solcher gerade in der Phase der Konstitution befindet – immerhin datieren die ihm zugerechneten Texte aus den eben erst vergangenen Jahren, höchstens Jahrzehnten –, als bereits gültige und weithin anerkannte Größe hypostasiert. Zweitens lassen die Dichter der ersten und zweiten Generation nach Martin Opitz in theoretischen Vorreden zu ihren Veröffentlichungen mehrfach die bedeutendsten Schriftsteller deutscher Zunge und deren Werke lobend Revue passieren. Auch wenn es sich dabei nicht um aktuelle Literaturkritik handelt und derselben darüber hinaus noch kein eigenes Artikulations- und Publikationsmedium eingeräumt wird, ist für die Geschichte dieser kulturellen Praxis doch insofern ein wichtiger Schritt getan, als sich hier die Arbeit an einem noch nicht fest umrissenen, sondern sich eben konstituierenden Kanon erkennbar wird. (Vgl. Rohrmann 1933, S. 6f.)

Die massiven Veränderungen, denen die Literaturkritik am Ende der Barockzeit und an der Wende zur Frühaufklärung unterworfen ist, lassen sich exemplarisch an einer der wichtigsten Veröffentlichungen der Zeit ablesen, an der sogenannten Neukirchschen Sammlung. Hierbei handelt es sich um eine zwischen 1695 und 1727 sukzessive in sieben Bänden veröffentlichte, stark verbreitete und rezipierte Anthologie zeitgenössischer Dichtung in deutscher Zunge. Benjamin Neukirch, der die beiden ersten Bände der Sammlung redigiert, erweist sich in den programmatischen Vorreden als noch weitestgehend einem traditionellen Modell von Literaturkritik verpflichtet, auch wenn er sich auf die jüngere deutschsprachige Poesie und nicht den älteren Kanon klassisch-antiker und humanistischer Autoren bezieht. Im Zentrum seiner Überlegungen steht das beinahe panegyrische Lob der vorbildlichen deutschsprachigen Autoren seit Opitz. Demgegenüber erhalten die kritische Analyse und die abwägende Beurteilung der neuesten literarischen Produktion nur einen geringen Stellenwert. Gänzlich anders präsentiert sich drei Jahrzehnte danach die Einleitung zum siebten und letzten Band der Sammlung, der von dem Leipziger Studenten Gottlob Friedrich Wilhelm Juncker herausgegeben wird. Die der 1727 erschienenen Anthologie vorangestellte „Untersuchung Herrn Gottfried Benjamin Hanckens Weltlicher Gedichte” unterscheidet sich signifikant von Neukirchs kanonstabilisierender Apologie der deutschen, vor allem schlesischen Barockdichtung des 17. Jahrhunderts und ihrer in vielen Punkten weniger poetologisch als patriotisch begründeten Bewertung von literarischen Texten. Es handelt sich bei der „Untersuchung” um einen ‘Verriß’ nach allen Regeln einer ganz neuen Form, eines ganz anderen Modells von Literaturkritik, das im deutschsprachigen Raum in der Zeit um 1700 entwickelt wird und rasch große Verbreitung findet. Mit klaren, scharfen Argumenten und zahlreichen deutlichen Beispielen weist Juncker die Mängel und Unstimmigkeiten eines aktuellen literarischen Textes nach, und dazu legt er auch noch die Grundsätze und Regeln seines Urteils – er orientiert sich offenkundig an der Poetik des Nicolas Boileau – offen. (Vgl. Arnold 2002).


Deutschsprachige Literaturkritik im Genre der Monatsgespräche


Die Einleitungen zum ersten und zum letzten Band der Neukirchschen Sammlung verweisen auf die radikale Ablösung eines älteren Modells von Literaturkritik durch ein neueres, gänzlich anderes. An die Stelle „der Sicherung, Auslegung und Kanonisierung der in Texten gefaßten Tradition” (Jaumann 1995, S. 21) tritt die kritische Reflexion der aktuellen literarischen Produktion. Dieses neue Modell etabliert sich zuerst in Frankreich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts im Medium des periodisch erscheinenden Journals, etwa des seit 1665 zu Paris publizierten „Journal des Savants”, das Rezensionen, Essays und Meldungen aus dem kulturellen Bereich darbietet. Im deutschsprachigen Raum finden sich in gelehrten Journalen ebenfalls bald Buchbesprechungen – so in den „Miscellanea Medico-Physica” und vor allem in den „Acta Eruditorum” (vgl. Hensing 1973). Allerdings handelt es sich hierbei weder um volkssprachliche Rezensionen noch um Anzeigen belletristischer, sondern vielmehr wissenschaftlicher Literatur. Anfangs ist der Raum für diese Texte auch außerordentlich eng bemessen, und sie sind in der Regel nicht urteilend, sondern nur referierend. (Vgl. Jaumann 2000; Fleischmann 1929, S. 10).

Anders denn in Frankreich erfolgt der entscheidende Schritt für die Durchsetzung des neuen Modells von volkssprachlicher und aktueller Literaturkritik nicht im Medium der gelehrten Zeitschrift. Als zentraler Text für diesen einschneidenden Wendepunkt in der Geschichte der deutschsprachigen Literatur gelten zurecht die von Christian Thomasius 1688 bis 1690 publizierten „Monats=Gespräche” (vgl. Freydank 1931; Jaumann 1995; Woitkewitsch 1970; zu den verschiedenen Titeln vgl. Freydank 1931, S. 382). Der Hallenser Jurist und Schriftsteller greift hier auf ein Konzept zurück, das bereits erfolgreich von mehreren Barockautoren praktiziert worden ist, allerdings nicht auf dem Feld der Literaturkritik (vgl. Freydank 1931, S. 349-351). Johann Rist veröffentlicht zwischen 1663 und seinem Todesjahr 1668 sechs von zwölf geplanten Monatsgesprächen, in denen jeweils drei Dialogpartner zu einem festgelegten Thema diskutieren. Erasmus Francisci vollendet das Werk, indem er die Monate Juli bis Dezember ergänzt und die Gesprächsteilnehmer beispielsweise im September über „Die Aller=Edelste KUNST Der Gantzen Welt” miteinander diskutieren läßt, so über die Wasserkunst, die Schiffahrtskunst, die „Kunst zu schweigen” und manch andere menschliche Fertigkeiten (Francisci 1681, S. 2).

Thomasius bedient sich mit seinen „Monats=Gespräche[n]” also eines durchaus erprobten, ja traditionellen literarischen Genres (vgl. Albrecht 2001, S. 99), und dies umso mehr, als die Barockliteratur auch an weiteren Formen des Prosadialogs von Georg Philipp Harsdörffers „Frauenzimmer=Gesprächspiele[n]” bis hin zur kollektiven Trauerklage der Pegnitzschäfer um Sigmund von Birken „Die Betrübte Pegnesis” außerordentlich reich ist. Die erste signifikante Differenz zu den älteren Dialogen wird aber bereits mit einer verlegerischen Notiz auf der Rückseite des Titelblatts des ersten Heftes von Thomasius’ „Monats=Gespräche[n]” deutlich. Hier wird angekündügt, daß

künfftig geliebts GOtt alle Monat / und wo möglich den ersten Tag derselben / die Continuation dieser Schertz= und Ernsthaffter Gedancken bey Moritz George Weidmannen Buchhändlern in Leipzig anzutreffen seyn solle […]. (Thomasius 1688, Titelbl.v).

Jeder Dialog soll demnach nicht nur fiktiv in einem bestimmten Monat des Jahres situiert sein, sondern zu diesem Zeitpunkt auch erscheinen. Damit wird das traditionelle Genre des Monatsgesprächs nach dem Vorbild der Journale zu einem periodisch publizierten Medium, und die Literaturkritik mutiert zu einer kulturellen Praxis, die an bestimmte, regelmäßige Publikationsdaten gebunden ist.

Der Periodizität der literaturkritischen Unterredungen korrespondiert die Aktualität der besprochenen Texte. Schon in der Vorrede zum ersten Teil der „Monats=Gespräche” wird klar darauf hingewiesen, daß darin „von denen neu herauskommenden Büchern raisoniret” werden solle (Thomasius 1688, Bl. )o(5r). Nicht weniger deutlich wird das hinsichtlich der Verwendung der deutschen Sprache ganz neuartige Konzept dieser literaturkritischen Dialoge pointiert, wenn es heißt, daß zwar

vielfältige Societäten in der Welt wären / die gelehrter Leute Schrifften in allerhand Sprachen excerpiren / aber noch keine / die die teutsche Sprache so würdig geachtet hätte / dergleichen darinnen zu versuchen. […] Also hat sie [sc. die Sozietät von Thomasius’ Dialogpartnern] ein Untadelhaffter Eyffer getrieben zu versuchen / ob es nicht angienge von neuen Büchern auch in hochteutscher Sprache etwas zu schreiben. (Thomasius 1688, Bl. )o(5r).

Innerhalb relativ traditioneller Bahnen bewegt sich hingegen das literarische Verfahren, in den Monatsgesprächen mehrere – bei Thomasius zwischen zwei und fünf – Personen fiktiv an einem Ort zu versammeln und ihre gemeinsame Diskussion mitzuteilen. Ernst Wilhelm Tentzel, der bereits 1689 unter dem Titel „Monatliche Unterredungen Einiger Guten Freunde Von Allerhand Büchern und andern annehmlichen Geschichten” eine Nachahmung von Thomasius’ erfolgreichen literaturkritischen Dialogen zu publizieren beginnt, skizziert die Konstruktion der Gesprächssituation dieser Texte mit den folgenden Worten:

JN einer berühmten Stadt in Teutschland waren zwey gute Freunde / welche nach der heutigen Mode sehr curieus ware[n] / und gerne von neuen Geschichten und neuen Büchern redeten / und davon ein unvorgreiffliches Urtheil fälleten. (Tentzel 1689-98, Bd. 1, S. 3).

Der literarisch traditionellen Darstellungsform, dem Dialog, steht demnach ein im deutschsprachigen Raum ganz neues Thema des fiktiven Gesprächs, der aktuelle Buchmarkt gegenüber. Thomasius’ wie Tentzels Texte heben sich von der Mehrzahl der Prosadialoge des Barock jedoch auch durch die Gleichrangigkeit der Diskussionspartner ab. Während etwa in den Monatsgesprächen Rists stets eine Person die gesamte Unterhaltung dominiert und lenkt, präsentieren hier nun die verschiedenen Redner ihre durchaus differierenden literaturkritischen Urteile im Wettstreit auseinanderstrebender Ansichten. Zielpunkt der Gespräche über einzelne neue Veröffentlichungen ist nicht die Herstellung eines Konsenses, sondern die Ausfaltung diverser Einschätzungen eines aktuellen Buches.

Dies kann exemplarisch der Verlauf der Unterredung zu dem ersten in Thomasius’ „Monats=Gespräche[n]” rezensierten Text, zu des Abraham a Sancta Clara „Reimb Dich Oder Jch Liß Dich” zeigen (vgl. Thomasius 1688, S. 10-19). Einer der Dialogpartner nennt einleitend den genauen Titel des Werkes. Anschließend trägt er einige biographische und werkgeschichtliche Eckdaten zu dem österreichischen Autor vor. Hierauf liefert er eine detaillierte Skizze von Aufbau und Inhalt des Textes, um schließlich sein vor allem stilistisches Gefallen daran zum Ausdruck zu bringen, indem er unter anderem lobt, daß die darin verwendeten „Allusiones […] nicht unlustig” zu lesen seien (Thomasius, 1688, S. 13). Auf dieses positive Urteil reagiert nun ein anderer Diskussionsteilnehmer mit dem harschen, ebenfalls stilkritisch, aber zugleich moralisch begründeten Verdikt,

daß dergleichen Schrifften nicht verdieneten gelesen zu werden / wegen der vielfältigen Thorheiten und seltzamen Redens=Arten / auch weit gesuchten inventionen, die einen verständigen mehr verdrüßlich machten / als belustigten […]. (Thomasius 1688, S. 17).

Auf diesen Einwurf gegen die sprachspielerische, concettistische und allegorische Predigt- und Schreibweise Abrahams wird im Gespräch nun aber des weiteren repliziert, daß sie mit ihrer Komik möglicherweise Misanthropen wieder zum Lachen verhelfe. Allerdings gibt man nun zu bedenken, daß der Einsatz der besagten stilistischen und rhetorischen Mittel „in geistlichen Sachen / da man mehr Devotion als Lustigkeit bey sich empfinden solle”, nicht vorbehaltlos gutgeheißen werden könne. Freilich wird wiederum positiv eingeräumt, daß Abraham keineswegs irgendwo einen „ärgerlichen oder säuischen Schertz oder Narrenpossen” in seine erbaulichen Schriften einfließen habe lassen, „sondern doch zu letzt […] der Zweck seiner weithergesuchten invention auff ein gut morale oder geistliche Observation” gerichtet sei (Thomasius 1688, S. 17f.). Das Fazit aus solchen Unterhaltungen ist daher kein eindeutiges und einhelliges, sondern ein reich ausdifferenziertes Spektrum an literaturkritischen Urteilen, das zusammenfassend mit der Sentenz „Viel Köpfe / viel Sinne” charakterisiert wird (Thomasius 1688, S. 18).

Diskussionen wie diese animieren die Gesprächsteilnehmer auch zu weitergehenden Reflexionen über die Beurteilungskriterien für literarische Texte, in denen allerdings ebenfalls keine Einhelligkeit hergestellt zu werden vermag. So dekretiert einer der Dialogpartner eine rezeptionsästhetische Position, in der das delectare als das höchste Gut Vorrang gegenüber dem docere eingeräumt erhält:

Ja / ich halte dieses für genugsam / warümb ein Buch auch von andern Menschen aestimiret und hochgehalten werden soll / wenn es eine geziemende Belustigung (denn die unzuläßlichen setze ich als bald selbst beyseiten) erwecket / in ansehen ein Mensch unter den zeitlichen Gütern doch eine gemäßigte Fröhligkeit für sein höchstes Gut zu achten hat […]. (Thomasius 1688, S. 22).

Diese Ansicht wird von einem anderen Diskussionsteilnehmer mit dem Argument heftig bestritten, daß es sich dabei um eine gegen das Christentum verstoßende Position handle und jeder nicht-wissenschaftliche Text eine erbauliche Wirkung auf seine Rezipienten ausüben solle. Der Redner untermauert seine Argumentation schließlich mit einem etwas süffisanten Analogieschluß zwischen Lektüre einerseits und dem merkantilistischen Beruf seines Gegners auf der anderen Seite:

Mich wundert in Wahrheit / daß der Herr in Büchern so auff die Belustigung erpicht ist / da er doch sonst in Handel und Wandel nicht drauff stehet / ob ihn eine Wahre belustige / sondern ob sie ihn [!] einen Provit bringe. (Thomasius 1688, S. 35).

Der dritte Dialogpartner schlichtet unter Berufung auf Horaz schließlich den Streit der beiden anderen mit der vermittelnden Position,

daß weder die allein lustigen / noch die allein nützlichen Bücher / sondern diejenigen / so zugleich nützen und belustigen / den Preiß für allen andern meritiren. (Thomasius 1688, S. 41f.)

Allerdings werden die unterschiedlichen literaturkritischen Grundpositionen der Gesprächsteilnehmer keineswegs als Übel verstanden oder als Differenzen begriffen, die auf jeden Fall zu harmonisieren wären, sondern im Gegenteil als Chance, „unsern Discours weiter zu continuiren” (Thomasius 1688, S. 41). Tatsächlich erscheinen in den folgenden Passagen der Unterredung die hier erläuterten Kriterien für die Beurteilung von Texten an Romanen hier und Erbauungsschriften dort erneut exemplifiziert.

Thomasius’ – und ebenso Tentzels – Monatsgespräche führen demnach kritisches Urteilen über aktuelle Texte im Meinungsstreit mehrerer Personen eines fiktiven Dialogs vor, die für jeweils unterschiedliche ideologische – und mittelbar auch literaturtheoretische – Positionen der Zeit von einem orthodoxen oder pietistischen Rigorismus über einen moderaten frühaufgeklärten Rationalismus bis hin zu einem christlich verbrämten Hedonismus stehen. Damit ist die Literaturkritik im deutschsprachigen Raum als Reflexion von soeben erschienenen Texten etabliert, aber noch nicht die für die künftige Entwicklung des Rezensionswesens so wichtige Rolle des Kritikers profiliert, der die schriftlich fixierten Urteile mit seinem autoritativen Namen signiert. Tentzel kann daher so weit gehen, sich in der Vorrede zum ersten Band seiner Monatsgespräche von den darin geäußerten Urteilen regelrecht zu distanzieren, indem er betont,

daß gleichwie die darinnen [sc. in den Dialogen] abgehandelte Geschichten und gegebenen Censuren nicht so wol nach meinem eigenen / als anderer Leute Gutachten und Zuneigung eingerichtet / also auch darnach geurtheilet und verstanden werden müssen. Daher es denn kommet / daß zum öfftern der Satz und Gegen=Satz vorgestellt und wol gar verthädiget wird / welche doch unmüglich beysammen stehen können. Demnach wird es alles vergeben seyn / wo in dergleichen Fällen eine oder die andere Parthey sich an mir reiben wollte / weil ich vielleicht keiner von beyden zugethan seyn dürffte. […] Wenn ich die Unterredungen nach meinem Kopffe verfertigte / würden dieselben vielmahl anders heraus kommen / als so geschiehet. (Tentzel 1689-98, Bd. 1, S. 5).


Deutschsprachige Literaturkritik in den ersten periodischen Journalen


Die dialogische Form der Präsentation und die vielfältigen, auch kontroversiellen Beurteilungen von Neuerscheinungen können in der Frühzeit der Aufklärung durchaus großen Erfolg verbuchen. Tentzels „Monatliche Unterredungen” halten sich am Buchmarkt mit zwölf Lieferungen pro Jahr über eine ganze Dekade hinweg.

Damit aber scheint dieses frühe Genre der deutschsprachigen Literaturkritik bereits weit seinen Höhepunkt überschritten zu haben. Als Nicolaus Hieronymus Gundling 1702 ein ähnliches periodisches Organ herauszugeben beginnt, bleibt das Interesse des Publikums gering. Bereits nach drei Monatsnummern müssen die „Neue[n] Unterredungen” wieder eingestellt werden. (Vgl. Gundling 1702). Wilhelm Ernst Tentzel hingegen kann mit einer Fortsetzung seiner literaturkritischen Zeitschrift unter dem Titel „CURIEUSE BIBLIOTHEC” noch einmal drei Jahre reüssieren. Allerdings nimmt er dabei eine einschneidende Veränderung seines Konzepts vor. Er gibt die Gesprächsform auf und stellt die Bücher nun selbst als Rezensent vor,

um desto eher die abgeschmackte Censur zu meiden / als ob gute Freunde bey ihren Zusammenkünfften sich nach denen regulis Dialogorum unterreden müsten. (Tentzel 1704-06, Bd. 1, Bl. )([2]r).

Nur etwas mehr als ein Jahrzehnt nach der Publikation der ersten Monatsgespräche erscheint somit die Fiktion der Wiedergabe einer tatsächlich stattgehabten literaturkritischen Diskussion verbraucht und überholt, weil unrealistisch. Freilich inszeniert Tentzel nun eine ganz andere Spielart des Gesprächs. Er will den Rezipienten keineswegs, wie später häufig in der Geschichte der Literaturkritik, unbedingt und alternativlos seine eigenen Urteile zu Neuerscheinungen vermitteln respektive ‚aufdrängen’, sondern dem Publikum vor allem Neuigkeiten vom Buchmarkt an die Hand reichen, samt seinen eigenen Einschätzungen, welche aber ihrerseits den Leser/inne/n zur Prüfung und sodann zur Beipflichtung oder Verwerfung weitergegeben werden. Literaturkritik versteht sich somit eher noch als Organ der Vermittlung von Information denn der Bewertung und der positiven oder negativen Empfehlung:

Wird demnach der geneigte Leser hinfüro sich gefallen lassen / die recension von allerhand alten und neuen Büchern […] durchzublättern und mein davon gesprochenes Urtheil nach seinem Belieben zu billigen oder zu verwerfen. (Tentzel 1704-06, Bd. 1, Bl. )([2]r).

Der Dialog verlagert sich damit von den fiktiven Diskussionsteilnehmern der Monatsgespräche zur Kommunikation zwischen dem Rezensenten und dessen Rezipienten. (Vgl. hierzu auch bei Thomasius Demski 1992, S. 97).

Thomasius hingegen gibt die dialogische Form schon nach der Fertigstellung des ersten Bandes seiner „Monats=Gespräche” auf und gestaltet den zweiten und letzten Band seiner literaturkritischen Streifzüge unter dem Titel „Freymüthige Jedoch Vernunfft= und Gesetzmäßiger Gedancken” in der Form einer Sammlung von Rezensionen aus seiner eigenen Feder. Schon der erste Satz der Vorrede kündigt das Ende der dialogisch-polyperspektivischen Schreib- und Rezensionsweise und die nun zu erwartende Artikulation der Urteile und Positionen des Autor-Ich an (vgl. Thomasius 1689f., Jg. 1689, S. 3). Thomasius begründet diese Umstellung, ähnlich wie mehr als zehn Jahre später Tentzel, mit der Umständlichkeit, auch häufig notwendigen Weitschweifigkeit der dialogischen Beurteilung eines Textes, aber auch mit zahlreichen ärgerlichen Reaktionen auf seine „Monats=Gespräche”. Offenkundig haben die einen Rezipienten bestimmte Dialogpartner als Verschlüsselungen von lebenden Personen zu enttarnen versucht, während andere dem Autor Positionen von literaturkritisch urteilenden Figuren unterschoben haben, mit denen er sich selbst gar nicht identifiziert sehen will (vgl. Thomasius 1689f., Jg. 1689, S. 24-27).

Die aus der Barockliteratur übernommene Form des Prosadialogs wird also von Thomasius endgültig aufgegeben und volkssprachliche und aktuelle, in urteilenden Einzelrezensionen publizierte Literaturkritik erstmals im deutschsprachigen Raum in einem periodischen Organ etabliert. Deshalb verändert sich auch die äußere graphische Gestaltung des Textes signifikant. Das Publikum hat nicht mehr die Prosa eines sich über das gesamte Monatsheft erstreckenden Dialogs vor sich, sondern klar voneinander abgegrenzte, durchnumerierte und mit bibliographischen Angaben überschriebene Artikel.

Dennoch trennen die in Thomasius’ „Gedancken” abgedruckten Rezensionen noch eine Reihe von wichtigen Merkmalen von der erst einige Jahrzehnte später voll ausgeprägten Literaturkritik in einem modernen Sinne. Zuerst einmal bespricht der Hallenser Schriftsteller nicht vorrangig belletristische Texte. Der Schwerpunkt der von ihm rezensierten Bücher liegt bei der profan- und populärwissenschaftlichen Literatur sowie bei Erbauungsschriften, wohingegen die Poesie nur einen geringen Stellenwert einnehmen kann. Thomasius „Gedancken” dürfen demnach keinesfalls als Literaturkritik in dem Sinne verstanden werden, daß darin mit ästhetischen Maßstäben dichterische Leistungen beurteilt würden. Die für Thomasius leitenden Kriterien für die Einschätzung der besprochenen Texte legt der Autor selbst ostentativ offen:

Nemlich ich habe mir vorgenommen […] künfftig die Lehren von der wahren Tugend und von rechtschaffener Gelahrheit / dem von der Pedanterey und Gleißnerey guten Theils verblendeten menschlichen Geschlechte vorzutragen. (Thomasius 1689f., Jg. 1689, S. 13f.)

Literaturkritik wird damit zu einem Teil von Thomasius’ antiorthodoxem und frühaufklärerischem Programm, in dem die Poesie stets im Dienste des Kampfes gegen ‘Pedanterie’, ‘Scholastik’ und ‘Schulfüchserei’ steht und noch nicht zu einem Recht sui generis als eigenständiges soziales System gelangt ist.

Luzide läßt sich diese Zielsetzung auch am Programm Gundlings zu seinen „Neue[n] Unterredungen” ablesen:

Dann in diesen [sc. literaturkritischen Unterredungen] düncket es mich, könne die Pedanterey am besten gerühret, die Präjudicia am füglichsten angegriffen, das wahre von dem falschen am allerdeutlichsten abgesondert werden; absonderlich, wann ich gelehrte und ungelehrte Bücher zum Fundament legen und darüber […] raisonniren werde. (Gundling 1702, S. 6).

Exemplarisch können die vor allem ideologisch akzentuierte Ausrichtung der frühen deutschsprachigen Literaturkritik wie auch Thomasius’ Rezensionspraxis anhand einer kursorischen Lektüre seiner beiden Besprechungen zu des Daniel Casper von Lohenstein Roman „Großmüthiger Feldherr Arminius” illustriert werden (vgl. Thomasius 1689f., Jg. 1689, S. 646-686 und S. 1141-1144). Einleitend vergleicht Thomasius die unterschiedlichen Urteile diverser Menschen über Bücher mit auseinanderlaufenden Geschmacksurteilen über Speisen und Getränke und erklärt diese Differenzen für unbedingt berechtigt. Erneut relativiert er damit seine eigene Urteilsbildung über aktuelle Neuerscheinungen in einem Maße, welches späteren Literaturkritikern völlig fremd sein sollte. Hierauf versucht er ein Klassifikationsschema für verschiedene Arten von Romanen zu entwickeln, ohne jedoch das zu besprechende Werk hierin einordnen zu können. Thomasius bewertet dies freilich keineswegs als Mangel. Der Roman verfüge über „was sonderliches und irregulaires; Aber ich tadele selbiges hiermit nicht / denn was auch vortrefflich ist / weicht von der gemeinen Regel ab.” (Thomasius 1689f., Jg. 1689, S. 664) Allerdings gründet solch ein hohes Lob nur sehr bedingt auf einer Wertschätzung von Lohensteins ästhetischer Innovationsleistung. Denn im Folgenden würdigt er vor allem die durch den Text vermittelten umfassenden Kenntnisse auf den unterschiedlichsten Wissensgebieten, wohingegen er die spezifische poetische Darstellungsform lediglich als deren die Sinne notwendigerweise stimulierende Verbrämung abtut:

[D]er Herr von Lohenstein setzt uns in seinem Buch lauter gelehrte / scharffsinnige und tugendhaffte Sachen vor / und überziehet dieselbigen nur mit etwas von einer angenehmen invention. Es [sc. das Buch] giebt der lehrbegierigen Jugend das thee der Weißheit zu trincken / und damit ihre an dem schmackhafften Wein und andere scharffe Geträncke gewehnete Zunge an dem ungewohnten Geschmack derselben keinen Eckel bekomme / so thut er ein wenig Zucker allerhand Historischer und Politischer inventionen hinein / ümb ihnen den appetit zu erwecken. (Thomasius 1689f., Jg. 1689, S. 667).

Auch wenn im Weiteren einmal seltene ästhetische Urteile in die Argumentation einfließen und eine Textpassage etwa als „tief”, „geschickt” und „Verwunderns würdig […] ausgesonnen” bezeichnet wird, unterstellt der Rezensent dem Autor doch immer wieder, daß derselbe „mehr auf den Nutzen und die Gelahrheit / als auff die Belustigung sein Absehen” gerichtet habe, und Thomasius lobt eine solche Intention ausdrücklich. Der Roman wird mithin außerordentlich positiv rezensiert, weil er die Kenntnisse seiner Rezipienten erweitert und aus der Handlung „Politische und Tugend=Lehren” gezogen werden können (Thomasius 1689f., Jg. 1689, S. 683-685), anders gesagt, als Lektüre in einem frühaufgeklärten Bildungsprogramm brauchbar und nützlich erscheint, ohne daß dabei jedoch der ästhetischen Form eine nennenswerte Bedeutung zukäme. Vor allem aus diesem weitreichenden Verzicht auf poetologische Beurteilungskriterien ist es auch zu erklären, daß Thomasius sich nicht an der rhetorischen Gestaltung von Lohensteins Roman stößt, die für Johann Christoph Gottsched später zum Inbegriff eines überkommenen ‘Schwulstes’ wird und die der Frühaufklärer, hätte er stilkritische Kriterien in seinen Besprechungen angewandt, durchaus auch als Auswüchse der ’Pedanterie’ hätte geißeln können.

Trotz der enormen Leistungen Thomasius’ für die Ausbildung der deutschsprachigen Literaturkritik ist demnach der Weg zu der viel stärker poetologisch fundierten Rezensionstätigkeit späterer Aufklärer wie zum Beispiel Gottscheds noch lang. Die einzelnen Etappen dieser Strecke liegen allerdings bislang weitgehend im Dunkeln. Die diversen Imitationen von Thomasius’ Monatsgesprächen sind ebensowenig eingehend untersucht worden wie die Ansätze zu literaturkritischen Arbeiten wie auch Reflexionen in der Tagespublizistik der ersten Dekaden des 18. Jahrhunderts. So wäre unter anderem erst zu klären, ob es sich zum Beispiel bei den 1722 und 1723 im „Holsteinische[n]/Hamburgische[n] Correspondent[en]” erschienenen, durchaus ästhetisch wertenden Buchkritiken und der darüber öffentlich geführten Debatte (vgl. Tolkemitt 1995, S. 65-79) um einen Einzelfall handelt oder ob die Zeitungen und Journale jener Jahre in viel höherem Maße, als von der bisherigen, stark kanon- und autorfixierten Geschichtsschreibung angenommen, von Buchbesprechungen und Reflexionen über das Rezensionswesen und seine Kriterien geprägt sind.

Als sicher kann allerdings jetzt schon gelten, daß an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum bereits eine viel intensivere und breitere literaturkritische Diskussion geführt wird, als manche Studien glauben machen möchten. So werden nicht nur die unterschiedlichen Nachahmungen von Thomasius’ Monatsgesprächen erfolgreich an die Öffentlichkeit gebracht, sondern entstehen auch weitere periodische Publikationsorgane, die sich mit spezifischen Sektoren des aktuellen Buchmarktes auseinandersetzen.

Hierzu zählt etwa das ab 1701 erscheinende Organ „Altes und Neues Aus dem Schatz Theologischer Wissenschaften”, seit dem zweiten Jahrgang unter dem Titel „Unschuldige Nachrichten” publiziert. Es handelt sich dabei um ein deutschsprachiges Periodikum vor allem zu wissenschaftlich-theologischen, insbesondere jedoch erbauungsliterarischen Veröffentlichungen, in dem Bücher nicht nur angezeigt, sondern auch in ausführlichen Besprechungen beurteilt werden. In einer bemerkenswerten, nachgerade grotesken Synchronizität des eigentlich Asynchronen bedienen sich die Herausgeber dieser Zeitschrift eines ganz neuen Mediums und einer eben erst sich entwickelnden kulturellen Praxis – der öffentlichen Kritik an Neuerscheinungen –, freilich aus einer zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr ganz aktuellen theologischen Position, der Orthodoxie. Deutlich wird dies etwa in einem der ersten Hefte bei einem außerordentlich scharfen ‘Verriß’ von Gottfried Arnolds eben vollständig erschienener „Kirchen- und Ketzer-Historie” (vgl. Anonym 1701ff., März 1701, S. 102-110). Die traditionelle Theologie verteidigt hier im damals modernsten Medium ihren soeben verlorengehenden Anspruch auf Herrschaft über alle anderen Wissenschaften und Künste. Demgemäß finden sich immer wieder auch neue Publikationen von außerhalb des Feldes geistlicher Fragestellungen rezensiert, so zum Beispiel Anfang 1702 Gundlings „Neue Unterredungen”. Diese literaturkritische Zeitschrift wird darin als Typus einer grassierenden Sucht öffentlichen vernünftelnden Räsonnements gebrandmarkt, deren Grundlage ein verwerflicher Skeptizismus bilde:

Ein neues Exempel der bey diesen betrübten Zeiten einreissenden Lästersucht giebt uns dieses Tractätgen eines Menschen / dem GOtt viel Fähigkeit gegeben / welche er aber zu Verwirrung und Aushöhnung andrer (denn das sind solcher Leute zwey Haubtwercke) unverantwortlich mißbrauchet. (Anonym 1701ff., 5. und 6. Sonntag 1702, S. 133).

Offensiv vertreten die Herausgeber der „Unschuldige[n] Nachrichten” einen heteronomen Anspruch der Theologie innerhalb der Wissenschaften. In der sich schnell ausdifferenzierenden Landschaft öffentlicher Meinungskundgebung, die sich in den unterschiedlichsten neuen Zeitschriften artikuliert, verfügen sie allerdings nur noch über eine Stimme unter vielen anderen, gerade deswegen, weil sie paradoxerweise das Medium der neuen Zeit für die Übermittlung ihrer obsolet gewordenen Botschaften gewählt haben.


Zitierte Literatur:


Quellen:

Anonym: Altes und Neues Aus dem Schatz Theologischer Wissenschaften. 1ff. Wittenberg: Christian Gottlieb Ludwig 1701ff. [ab 1702 unter dem Titel „Unschuldige Nachrichten von Alten und Neuen Theologischen Sachen” verlegt in Leipzig bei den Großischen Erben].

Francisci, Erasmus: Die Aller=Edelste KUNST Der Gantzen Welt. Vermittelst eines anmutigen und erbaulichen Gesprächs / Welches ist / dieser Art / die Neunte / Und zwar eine Herbst=Monats Unterredung Beschrieben und fürgestellet. Frankfurt/Main: Joh[ann] Georg Schiele 1681.

Gundling, Nicolaus Hieronymus: Neue Unterredungen. Erster Monat, oder Januarius [bis: Martius], darinnen sowol schertz= als ernsthaft über allerhand gelehrte und ungelehrte Bücher und Fragen freymüthig und unpartheyisch raisonniret wird. o.O.: o. D. 1702.

[Thomasius, Christian]: Schertz= und Ernsthaffter / Vernünfftiger und Einfältiger Gedancken / über allerhand Lustige und nützliche Bücher und Fragen Erster Monat oder JANUARIUS, [bis: DECEMBER] in einem Gespräch vorgestellet von der Gesellschafft derer Müßigen. Frankfurt/Main, Leipzig, Halle/Saale: Moritz Georg Weidmann, Christoph Salfeld 1688.

Thomas[ius], Christian: Freymüthiger Jedoch Vernunfft= und Gesetzmäßiger Gedancken / Uber allerhand / fürnemlich aber Neue Bücher JANUARIUS des 1689. Jahrs ]bis: APRILIS 1690] / Entworffen. Halle/Saale: Christoph Salfeld 1689f. [Jahrgang 1690 von Jakob von Ryssel].

[Tentzel, Wilhelm Ernst]: Monatliche Unterredungen Einiger Guten Freunde Von Allerhand Büchern und andern annehmlichen Geschichten. Allen Liebhabern Der Curiositäten Zur Ergetzligkeit und Nachsinnen Heraus gegeben. Bde. 1-10. Leipzig: Johann Friedrich Gleditsch, Thomas Fritsch 1689-98.

Tentzel, Wilhelm Ernst: CURIEUSE BIBLIOTEC, Oder Fortsetzung Der Monatlichen Unterredungen einiger guten Freunde / Von allerhand Büchern und andern annehmlichen Geschichten / allen Liebhabern der Curiositäten zur Ergötzlichkeit und Nachsinnen vormahls heraus gegeben Von Anno 1689 bis 1698. Bde. 1-3. Frankfurt/Main, Leipzig: Philipp Wilhelm Stock 1704-06.

Forschung:

Albrecht, Wolfgang: Literaturkritik. Stuttgart, Weimar 2001. (Sammlung Metzler 338).

Arnold, Heinz Ludwig: Von der Regel-Poetik zur literarischen Kritik. Zu den Vorreden der Neukirchschen Sammlung. In: Barock. Hg. v. Ingo Stöckmann. In: Text + Kritik 154 (2002), S. 51-65.

Berghahn, Klaus L.: Von der klassizistischen zur klassischen Literaturkritik 1730-1806. In: Peter Uwe Hohendahl (Hg.): Geschichte der deutschen Literaturkritik (1730-1980). Stuttgart 1985. S. 10-75.

Demski, Dagmar: Christian Thomasius (1655-1728): Leben und wissenschaftliches Werk des Frühaufklärers unter besonderer Berücksichtigung seiner „Monatsgespräche“ als erster wissenschaftlicher Zeitschrift in deutscher Sprache. Hannover: Dipl. Arb. FH [masch.] 1992. S. 88-111.

Fleischmann, Max: Christian Thomasius. Rede zur 200. Wiederkehr von Thomasius’ Todestag (23. Sept. 1728) gehalten bei der Gedenkfeier der Vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg. Halle/Saale 1929. (Hallische Universitätsreden 39).

Freydank, Hanns: Christian Thomas der Journalist. In: Max Fleischmann (Hg.): Christian Thomasius. Leben und Lebenswerk. (Neudr. der Ausg. Halle/Saale 1931). Aalen 1979. (Beiträge zur Geschichte der Universität Halle-Wittenberg, Veröffentlichungen des Ausschusses zur Pflege der Universitätsgeschichte in Halle 2). S. 345-382.

Hensing, Ulrich: Acta Eruditorum (1682-1782). In: Heinz-Dietrich Fischer (Hg.): Deutsche Zeitschriften des 17. bis 20. Jahrhunderts. Pullach/München 1973. (Pubilizistik-historische Beiträge 3). S. 29-47.

Jaumann, Herbert: Critica. Untersuchungen zur Geschichte der Literaturkritik zwischen Quintilian und Thomasius. Leiden, New York, Köln 1995. (Brill’s Studies in Intellectual History 62).

Jaumann, Herbert: Art. Literaturkritik. In: Harald Fricke (Hg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte. Bd. 2: H–O. Berlin, New York 2000. S. 463-468.

Rohrmann, Willibald: Die Anfänge der literarischen Kritik in Schlesien. Breslau: phil. Diss. 1933.

Tolkemitt, Brgitte: Der Hamburgische Correspondent. Zur öffentlichen Verbreitung der Aufklärung in Deutschland. Tübingen 1995. (Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur 53).

Tschacher, Walter G.: Orte der Literaturkritik in der Frühaufklärung. London – Zürich – Leipzig. Ann Arbor, Mich. 1998.

Voss, Eva-Maria de: Die frühe Literaturkritik der Aufklärung. Untersuchungen zu ihrem Selbstverständnis und zu ihrer Funktion im bürgerlichen Emanzipationsprozess. Bonn: phil. Diss. [masch.] 1975.

Woitkewitsch, Thomas: Thomasius’ „Monatsgespräche”. Eine Charakteristik. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 10 (1970), Sp. 655-678.

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