Epochenwissen Realismus (1850-1890) - Seminar
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L. Hagestedt
Epochenwissen Realismus (1850-1890)
Do: 15.15 – 16.45 Uhr, PHF SR 50
Aufbaukurs (hist./syst.), 2 SWS, fakultativ
• alle Studiengänge; Module C, J, D, K, D2, K2
• Abschluss mit Teilnahme- oder Leistungsschein, Modulprüfung wählbar
Offensichtlich ist der Epochenname des "Bürgerlichen" oder "Literarischen Realismus" besonders problematisch, denn noch immer wird in Einführungen, Lexika und Überblicksdarstellungen der Literaturwissenschaft ein mimetischer Aspekt der Wirklichkeitsdarstellung hervorgehoben, der für den Realismus angeblich besonders charakteristisch sei. Das Mimesis-Postulat der älteren Forschung zur Epoche und der Anspruch der Autorentheoretiker des 19. Jahrhunderts, sie wollten mit ihren Gesellschaftsromanen die Gesellschaft als Ganze repräsentieren, ist jedoch zurückzuweisen - denn mit deren Komplexität wäre jede Mimesis hoffnungslos überfordert.
Das Seminar diskutiert theoretisch den "Sonderstatus" des Realismus gegenüber anderen "Epochenbegriffen", mithin also den Doppelaspekt des "Realismus als Invariante" und des Realismus als zeitlich fixierbarer Epoche, die "einen Ausschnitt aus dem 19. Jahrhundert interpretiert". Anhand ausgewählter Beispielanalysen von Michael Titzmann und Marianne Wünsch sollen die Merkmale, die zum spezifischen Leistungskatalog des Realismus gehören, bestimmt werden - anhand ausgesuchter Erzähltexte des Realismus und neuerer Sekundärliteratur versuchen wir zu erweisen, dass dem Realismus eine spezifische Realitätskonzeption eignet.
Das Seminar setzt eine gewisse Vorliebe für komplexe Textanalysen und für Literaturtheorien sowie aktive und regelmäßige Mitarbeit voraus; Leistungsscheine können durch schriftliche Hausarbeiten (ab 15 Seiten Umfang) erworben werden. Die Anmeldung erfolgt via Stud.IP und in der ersten Seminarsitzung, die endgültige Aufnahme durch einen Lektüretest zu Gottfried Kellers Erzählung "Romeo und Julia auf dem Dorfe" in der zweiten Sitzung.
Literatur:
Theodor Fontane: Vor dem Sturm
Conrad Ferdinand Meyer: Der Marmorknabe; Die Richterin; Stapfen; Die Versuchung des Pescara;
Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe;
Wilhelm Raabe: Ein Frühling;
Adalbert Stifter: Der Hochwald; Die Narrenburg;
Theodor Storm: Ein Bekenntnis; Schweigen; Späte Rosen;
Sowie:
Michael Titzmann: Realismus und Frühe Moderne. Interpretationen und Systematisierungsversuche. Hg. von Lutz Hagestedt. München: belleville 2009 (Theorie und Praxis der Interpretation, 7). Vgl.: Materialien zu literaturwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen
Marianne Wünsch: Realismus (1850-1890). Zugänge zu einer literarischen Epoche. Mit Beiträgen von Jan-Oliver Decker, Peter Klimczak, Hans Krah und Martin Nies. Kiel: Ludwig (LIMES, 7).
