Der Implizite Autor und der Unzuverlässige Erzähler - Seminar
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Wintersemester 2007/2008
Der Implizite Autor und der Unzuverlässige Erzähler.
Zur Rezeption des literaturwissenschaftlichen Programms
der Chicago School of Criticism und des Romanwerks von Ernst Augustin - Lutz Hagestedt
Hs, 2 SWS, f
alle Studiengänge
Module F, G, L, N, Tk 3, HS/L2
Abschluss mit Teilnahme- oder Leistungsschein
Modulprüfung wählbar
Mittwoch, 17.00 – 18.30 Uhr, HS Hautklinik
Wie die Debatten um den Ort und die Funktion des „Erzählers“ belegen, ist die Instanz des
„Autors“ – allen Versuchen zum Trotz – vielleicht niemals konsequent aus der
literaturwissenschaftlichen Interpretationspraxis verbannt worden. Selbst in den Studien von
Wayne C. Booth (1921–2005), einem Hauptvertreter der Chicago School of Criticism, lassen
sich „intentionalistische“ Reste des „realen Autors“ ausmachen, so etwa in seinem Hauptwerk
„The Rhetorik of Fiction“ (1961).
Im theoretischen Zentrum des Seminars steht das narratologische Konzept des „Implied Authors“, wie es jüngst von Tom Kindt und Hans-Harald Müller rekonstruiert worden ist. Im narrativen Zentrum steht das ›poetologische‹ Romanwerk Ernst Augustins (Jg. 1927), das explizit mit ›unzuverlässigen‹ Erzählerinstanzen operiert und eine intentionale Nähe von Autor und Erzähler postuliert.
Aktive Mitarbeit und regelmäßige Teilnahme, sprich Hausaufgaben von Woche zu Woche sowie (vereinzelt) Impulsreferate, werden durch Teilnahmescheine quittiert; Leistungsscheine können durch schriftliche Hausarbeiten (ab 20 Seiten Umfang) erworben werden. Die Anmeldung erfolgt ausschließlich in der ersten Seminarsitzung, die endgültige Aufnahme durch einen Lektüretest in der zweiten Sitzung zu Augustins Roman „Badehaus II“ (2006). Literatur: Tom Kindt / Hans-Harald Müller: „The Implied Author“. Berlin, New York: Walter de Gruyter 2006. (Eine Kopie der deutschen Version wird im Semesterapparat ausliegen.)
Material / Hausaufgaben:
- Übersicht zu Ernst Augustin
- Tom Kindt / Hans-Harald Müller: Der implizite Autor. Untersuchungen zur Karriere und Kritik eines Begriffs (http://139.30.60.221/~jk/lehrmaterial-allgemein/KindtMueller_IA.pdf) (PDF-Dokument)
- Tom Kindt: Erläuterungen zum Begriff des »unzuverlässigen Erzählens« (http://139.30.60.221/~jk/Augustin/Kindt_Unzu.pdf) (PDF-Dokument)
- Fabian Ahrens: Figurenkonstellation zu Augustins Schönes Abendland (http://139.30.60.221/~jk/Augustin/Figurenkonstellation-Schoenes_Abendland.pdf) (PDF-Dokument)
zum 7.11.:
- die Erzählsituation des Romans "Badehaus Zwei" darstellen (und zwar am Beispiel von Martinez/Scheffel: "Einführung in die Erzähltheorie" oder Gérard Genette: "Die Erzählung")
zum 14.11.:
- den Text von Kindt und Müller herunterladen (siehe oben) und lesen sowie die Figurenkonstellation von „Badehaus zwei“ in einer Grafik darstellen (Beispiele dafür finden sich beim Kleist-Seminar von Herrn Hagestedt)
zum 12.12.:
- Lesen Sie nochmals das Buch von Kindt/Müller und schlagen Sie, sofern Sie das nicht schon getan haben, alle Begriffe nach, die Sie nicht kennen. Beantworten Sie schriftlich die Frage, welche Leistung Kindt/Müller dem Strukturalismus für das von Ihnen rekonstruierte Theoriedesign zusprechen. Präparieren Sie sich für den zweiten Roman, "Schönes Abendland".
zum 19.12.:
- Rekonstruieren Sie die Figurenkonstellation und die Sprechsituation von Augustins Roman "Schönes Abendland".
zum 02.01.:
- Rekonstruieren Sie den "Impliziten Autor" von Augustins Roman "Schönes Abendland" in der Konzeption von Genette als "semantischen Raum". Beantworten Sie m.a.W. die Frage, welches Werte- und Normensystem der Roman repräsentiert.
zum 09.01.:
- Erarbeiten Sie einen Strukturvergleich "Badehaus II" - "Schönes Abendland".
zum 16.1.:
- Rekonstruieren Sie das Konzept des Unzuverlässigen Erzählers nach Kindt. (siehe PDF-Dokument oben)
zum 23.1.:
- Beantworten Sie die Frage, ob der Unzuverlässige Erzähler nur dadurch lesbar wird, dass er gegen die Normen der literarischen Welt verstößt. Kann man ihn nur inhaltlich festmachen? Oder wird er auch durch nicht-chronologisches Erzählen, durch Wiederholungen und sich verstrickende Erzählstränge entlarvt? Oder kommen wir hier ins Metier des Impliziten Autors?
Liebe Seminarteilnehmer, aus gegebenem Anlass sei nochmals auf die Hinweise für die erfolgreiche Teilnahme an den Kursen bei Herrn Prof. Dr. Lutz Hagestedt aufmerksam gemacht.
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