Deckel zu, Humor tot. Ein enttäuschendes Hausbuch der literarischen Hochkomik (Bernd Eilert)
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Rezension von Lutz Hagestedt
Deckel zu, Humor tot
Ein enttäuschendes Hausbuch der literarischen Hochkomik
BERND EILERT: Das Hausbuch der literarischen Hochkomik. Mit Illustrationen von F. K Waechter. Haffmans Verlag, Zürich 1987. 1584 Seiten. ISBN 3-251-00100-0
Ein Hausbuch ist ein „Buch zum häufigen häuslichen Gebrauch“ (Duden), ein Buch, das man immer wieder zur Hand nimmt, an dessen Illustrationen man sich ergötzt, dessen Texte zur Auferbauung und Therapie gleichermaßen geeignet sind, ein Labsal für die Seele und eine Stimulanz für den Geist.
Das „Hausbuch der literarischen Hochkomik“, herausgegeben von Bernd Eilert, wird vielleicht bald in der Ecke landen und dort verstauben. Es ist ein gut gemeintes aber schlecht realisiertes Sammelsurium, das von konzeptionslos zusammengeschusterten Vorworten und gedanklich leeren Überleitungstexten des Herausgebers nur so wimmelt. Dem Leser bleibt das Lachen im Halse stecken.
Bernd Eilert will mit seinem Hausbuch demonstrieren, „daß Komik ein ganz entscheidendes Element großer Literatur ist“, er hat viele Autoren der Weltliteratur (sie sind – außer Cervantes – alle alle vertreten, sogar Stifter!) und natürlich des Haffmans Verlages auf komische Texte hin durchgesehen und diese dann bestimmten Themenkomplexen bzw. Sachgruppen zugeordnet. Diese Sachgruppen heißen „Tod und Teufel“, „Das Tier und wir“, „Malen und Prahlen“ etc. und erinnern an die Nonsens-Rubriken der Pardon-Beilage „Welt im Spiegel“ (1964-1976). Ein Hausbuch, und sei es auch nur ein Hausbuch der Literarischen Hochkomik, kann jedoch auf diese Weise nicht sinnvoll strukturiert werden: es bleibt bei einer gesichtslosen und amorphen Menge von Texten (1584 Seiten). Und die Vorworte, mit denen Eilert seine Nonsens-Rubriken eingeleitet hat, sind unter aller Kanone. Das vierte zum Beispiel, in dem er die bekanntesten Komiktheorien destruieren will, sie aber niemals „ernsthaft“ diskutiert, ist reine Flickschusterei: Konjunktionen, Adverbien und Partikel ersetzen die Argumentation. Eilert bezieht sein Zitatmaterial aus dem verdienstvollen Band von Wolfgang Preisendanz und Rainer Warning zur Theorie des Komischen (Wilhelm Fink Verlag, München 1976), ohne diese Quelle anzugeben. Sein gespreiztes Deutsch, das keinen Beitrag zur komischen Literatur leistet, ist eine gequält witzige, um Originalität vergeblich bemühte, spannungslose Prosa. Getreu der Devise, daß man die Masse nur durch Masse zwingen könne, aber ohne zu bedenken, daß Humor in der Masse unerträglich wird, hat Eilert auch jeden zweit- und drittklassigen Schriftsteller mit emphatischer Begeisterung in sein monströses Hausbuch aufgenommen und dafür andere, erstklassige Texte übergangen. Auszüge aus „Dr. Katzenbergers Badereise“ dürften in der Rubrik „Essen und Trinken“ ja auf gar keinen Fall fehlen!
So ist Eilerts Hausbuch für jeden ernsthaften Komikkonsumenten kein rechtes Vergnügen, er schließt den Deckel und trägt es zum Antiquar.
erschienen in: Süddeutsche Zeitung vom 20./21.06.1987
»Die taube Nuß« Die alljährlich verliehene Auszeichnung des Raben-Rates für die ahnungsloseste Rezension des Jahres geht 1987 einstimmig an Herrn Lutz Hagestedt für seine Besprechung des Hausbuchs der literarischen Hochkomik, in der süddeutschen Zeitung< vom 20./21.6.1987 Aus der Begründung der Jury: »…ist es dem Autor bereits als Anfänger gelungen, in die vorderste Front der ironieresistenten, komikfesten, vernagelten Volldröhner durchzubrechen.« Aus: Der Rabe. Magazin für jede Art von Literatur. – Nr.17. Herbst 1987. Seite 206.
