Cagliostro der Gute
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Rezension von Lutz Hagestedt
Cagliostro der Gute
MICHAIL A. KUSMIN: Das wundersame Leben des Joseph Balsamo Graf Cagliostro. Deutsch von Christel Ruzicka. Mit sechzehn Federzeichnungen von Solomon Wija. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Fritz Mierau. Insel Verlag, Frankfurt 1991. 156 Seiten, 24 Mark.
Das Leben des genialen Scharlatans und famosen Betrügers Cagliostro alias Giuseppe Balsamo (1743-1795) hat viele Autoren zu literarischen Darstellungen angeregt. Drei unserer größten Dichter haben sich seiner bemächtigt: Schiller in seinem Romanfragment „Der Geisterseher" (1787), Goethe in seinem Lustspiel „Der Groß-Cophta" (1792) und Tieck in seiner Novelle „Die Wundersüchtigen" (1831). Eine Bibliographie aus dem Jahre 1974 verzeichnet mehr als 500 Einzeldarstellungen, natürlich nicht alle literarischer Natur.
Der 1919 (und neun Jahre später auf deutsch) erschienene Roman des Russen Michail Kusmin (1875-1936) hat viel Patina angesetzt. Kusmin hatte etwas sehr Ehrenhaftes vor: Er wollte - anders als seine berühmten Dichterkollegen - Cagliostro nicht von vornherein der Lächerlichkeit preisgeben, sondern deutete ihn zu einer tragischen Figur um, die Großes vermocht hätte, wenn sie nur auf Gott gebaut hätte. Kusmin läßt einen Engel auftreten, der Cagliostro besondere Fähigkeiten und die Kraft verleiht, Gutes zu tun. Doch „Habgier, Eitelkeit, Stolz und Herrschsucht" bringen den in ganz Europa berühmt-berüchtigten Magier vom rechten Wege ab.
Bei Kusmin hat diese sonderbare Figur nichts Schillerndes mehr. Die Motive ihres Handelns, die Hintergründe ihrer oft plumpen Alfanzereien werden umständlich erläutert, die historischen Bezüge unbeholfen eingebracht. Der gähnend langweilige Roman findet seine Entsprechung in den Federzeichnungen von Solomon Wija. Hier haben es offenbar alle Seiten aufrichtig gut gemeint und das Gegenteil von Kunst erreicht.
erschienen in: Süddeutsche Zeitung, Samstag/Sonntag 22./23. Juni 1991
