Athenäum -neu
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Rezension von Lutz Hagestedt
Athenäum - neu
ATHENÄUM. Jahrbuch für Romantik. Herausgegeben von Ernst Behler, Alexander von Bormann, Jochen Hörisch, Günter Oesterle. Schöningh Verlag, Paderborn 1991. 292 Seiten, 38 Mark.
Im mutmaßlichen Blau der romantischen Blume präsentiert sich „Athenäum", das neue „Jahrbuch für Romantik". Es will die berühmte Zeitschrift der Gebrüder Schlegel „wiederbeleben" beziehungsweise an ihr kritisches Potential anknüpfen. Es appelliert an den Romantiker „in uns" und ist nicht allein an Germanisten adressiert.
Ein umwerfend komisches, fiktives (mehr noch: gefälschtes) Streitgespräch zwischen Hölderlin, Novalis, Fichte und dem Jenaer Philosophenprofessor Friedrich Niethammer mag dies belegen. Hier nämlich geht es um die Nonsensfrage, wie der. „absolut gewisse Satz" lauten müsse, „der alles menschliche Wissen umfaßt": „Sein ist gut" oder „Ich = Ich" (Fichte). Das Gespräch, fast schon in Mini-Dramolett, endet damit, daß die großen Vier verstimmt auseinandergehen.
Im übrigen enthält dieser Band einen Teil „Abhandlungen", einen Teil „Diskussionen und Berichte" und einen Teil „Buchbesprechungen". Er beschäftigt sich mit der frühromantischen Poesie und Theorie (E. Behler), mit Schuberts „Winterreise" (J. Hörisch) und Wagners Musikdramen (U. Steiner) sowie dem „Goldenen Topf" von E. T. A. Hoffmann (G. Oesterle). Ein Auszug aus Andreas Ammers „Horrorgraphie. Geist und Geister der Goethezeit" und ein ungemein spannender Aufsatz zur „Neutralisation und Kaltstellung" von Humboldts Sprachwissenschaft im 19. Jahrhundert (K. Mueller-Vollmer) sind die Höhepunkte des ersten neuen „Athenäums".
erschienen in: Süddeutsche Zeitung, Dienstag, 8. Oktober 1991
