Abweichende Lebensläufe in der Frühen Moderne – am Beispiel von Hans Fallada und Vicki Baum - Seminar

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Abweichende Lebensläufe in der Frühen Moderne – am Beispiel von Hans Fallada und Vicki Baum

HS, 2 SWS, f

Abschluss mit Teilnahme- oder Leistungsschein

Modulprüfung wählbar

Mittwoch, 17.00–18.30, HS Hautklinik


Autoren der Neuen Sachlichkeit, einer Teilphase der Frühen Moderne (circa 1890 bis 1930), stehen gewöhnlich nicht im Zentrum literaturwissenschaftlicher Seminarangebote. Das ist bedauerlich, wenn man in Betracht zieht, dass Poetae minores wie Vicki Baum (1888–1960) und Hans Fallada (1893–1947) ein gutes Gespür für den Wandel kultureller Ordnungen haben und die Durchsetzung, Etablierung, Flexibilisierung und Transformierung von Normen und Wertesystemen besonders eindrucksvoll erzählerisch vermitteln. Da fast alle ihre Figuren mehr oder weniger stark abweichende Lebenslinien aufweisen, ist die Norm quasi nur ex negativo aus der erzählten Normerwartung zu erschließen. In Figuren- und Erzählerrede wird letztere daher auf der Zunge getragen – mögen ihre Repräsentanten ihr auch zuwider handeln.


Aktive und regelmäßige Mitarbeit wird vorausgesetzt; Leistungsscheine können durch schriftliche Hausarbeiten (ab 25 Seiten Umfang) erworben werden.

Zum Seminar gehört eine zweitägige Exkursion in das Fallada-Haus Carwitz am 5. und 6. Juli 2008; bei einem öffentlichen Symposium werden die Teilnehmer Impulsreferate halten und von ersten Ergebnissen des Seminars berichten; die – kostenintensive! – Teilnahme daran ist Pflicht. Die Teilnehmerzahl des Seminars wird folglich auf 25 begrenzt, die Anmeldung erfolgt ausschließlich in der ersten Seminarsitzung, die endgültige Aufnahme durch einen Lektüretest zu Falladas Roman „Wolf unter Wölfen“ in der zweiten Stunde. Ausgabe: 23. Aufl. Hamburg, Rowohlt 2001 (rororo 11057).


Literatur: Helmut Lethen: Neue Sachlichkeit: 1924–1932. Studien zur Literatur des „weißen Sozialismus“. Stuttgart, Weimar 2000 (Metzler Reprint). Vicki Baum: Menschen im Hotel. Roman. Köln 2007 (KiWi 991).




Material / Hausaufgaben:


Hausaufgabe zum 9.4.08:

Besprechung des "Abweichenden Lebenslaufs" des Künstler-Attaches Edmund Pagel (S. 27-32), dargestellt (überwiegend?) aus der Perspektive Mathilde Pagels.

Bitte stellen (und beantworten) Sie sich bei der Lektüre die folgenden Fragen:

  • Welcher Lebenslauf (bzw. welches Lebenslaufmodell) ist für W.P. und seine Frau aus den "Abweichungen" als (idealtypisch und) "normal" ableitbar?
  • Worin bestehen die Abweichungen?
  • Zu jedem Lebenslauf gehört eine Lebenserwartung (sie liegt 1930 für Männer bei 64 Jahren, für Frauen bei 72 Jahren), sprich ein (bzw. mehrere) Zeitfenster von unterschiedlicher Länge und Lebensintensität. Segmentieren Sie die Lebensstationen W.P.s im Vergleich zum idealtypischen Verlauf. Welche Ereignisfolge wird hier erzählt?
  • Der Zeitaspekt wird vom Text wiederholt thematisiert: Wie wird Zeit in der Pagel-Handlung konzeptualisiert, zu welchen zeitlichen "Verwerfungen" kommt es durch den abweichenden Lebenslauf des Künstler-Attaches?
  • Welche Konflikte zeitigen diese Verwerfungen in Bezug auf das Werte- und Normensystem der dargestellten Welt?
  • Wie ist der Passus erzählt respektive fokalisiert (im Sinne der Narratologie Genettes; vgl. auch Genette nach der Darstellung Martinez'/Scheffels)?


Bitte drucken Sie sich die hier attachte Liste zentraler Oppositionen der Edmund-Pagel-Handlung aus. Wir werden sie am Mittwoch besprechen und Folgerungen daraus ziehen.


Hausaufgabe zum 23. April: Isolieren Sie einen weiteren "abweichenden Lebenslauf"!


Hausaufgabe zum 7.Mai:

Präsentieren Sie zehn Belege zur Metaphorik des Lebens, Begriffe wie "Lebensappetit" (S. 249) oder Zitate wie "Das Leben schmeckt nach Blut und Brot und Dreck" (S. 250), jeweils mit Nachweis! Untersuchen Sie dabei nur die Ihnen zugewiesenen Seiten (siehe folgende Liste)!


Hausaufgabe zum 4. Juni:

Bitte drucken Sie folgendes Dokument aus und bringen es zur nächsten Sitzung mit!

  • Neue Version vom 07.07.2008: Belege zur Lebensmetaphorik (http://139.30.60.221/~jk/Abweichende-Lebenslaeufe/pass/Belege_zur_Lebensmetaphorik_3.pdf) (PDF-Dokument)


Hausaufgabe zum 18. Juni:

1. Korrigieren und vervollständigen Sie Ihre Stellensammlung zur Lebensmetaphorik und mailen Sie sie an Andre Kischel.

2. Lesen Sie Vicki Baums Roman "Menschen im Hotel" (nach einer Textausgabe Ihrer Wahl) und legen Sie eine Übersicht der handelnden Figuren an - nach dem Beispiel Kleist, "Erdbeben in Chili" (Sie finden das Dokument auf meiner Seite "Materialien zu literaturwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen").




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